Klinische Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI): eine Weiterbildungsmöglichkeit für Physiotherapeuten
Die klinische Psychoneuroimmunologie (kPNI) ist ein interdisziplinäres Tätigkeitsgebiet, das sich mit der Wechselwirkung des Nervensystems, des Hormonsystems und des Immunsystems beschäftigt. Im deutschsprachigen Raum gibt es seit 2003 eine Grundausbildung dazu, die Universität in Girona (Spanien) bietet den Mastersstudiengang an.
Die klinische Psycho-Neuro-Immunologie kPNI ist das Verstehen der Interaktionen von psychologischen, neurologischen, immunologischen, endokrinologischen und soziologischen Vorgängen im und um den Menschen und die sich daraus ergebenden Therapieformen. Diese Kenntnisse ermöglichen dem Therapeuten mit Hilfe einer ausführlichen Anamnese herauszufinden, welche Faktoren den funktionellen Störungen der Krankheit eines Patienten zu Grunde liegen. So profitiert der Patient in der Behandlung vom erweiterten Verständnis des Therapeuten über Krankheit und Gesundheit. Die Physiologie, die Pathophysiologie und die Biochemie des Menschen bilden die Grundlagen für dieses Verständnis.
Eine Verminderung der Energieproduktion, der Regenerationskapazität, der Abwehr und der Wundheilung führt oft zu Krankheitsbildern, mit denen wir in der Physiotherapie konfrontiert werden. Solche Krankheitsbilder sind zum Beispiel Fibromyalgie, Chronic fatigue Syndrom, rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Arthropathien, chronische Schmerzen und chronische Entzündungen. Kenntnisse über Ausgangsstoffe, Funktionsstoffe und Katalysatoren können die Interventionsmöglichkeiten eines Therapeuten massiv erweitern.
Schmerz als Störung
Das Verständnis von Schmerz spielt innerhalb der kPNI eine zentrale Rolle. Durch eine spezifische Anamnese und der daraus resultierenden Behandlung geht es darum, dem Patienten die dahinter liegenden Gründe von Schmerz aufzudecken. Der Mensch soll den Schmerz in seinem psychosozialen Umfeld als Störung sehen und nicht nur als lokales Geschehen. Die kPNI verwendet verschiedene Massnahmen in der Schmerzbehandlung:
- Deep learning, dem Patienten die Zusammenhänge erklären, warum er Schmerzen hat. Oft steht Angst (Anxiety) am Anfang der Schmerzkaskade. Angst bedeutet Stress, daraus entwickeln sich dann die typischen yellow flag diseases
- Adäquate Bewegungstherapie
- Ernährungsinterventionen
- Gegebenenfalls Unterstützung des Systems mit Supplementen (Orthomolekulartherapie)
Seit 2003 unterrichtet die Sportphysiotherapieschule spt-education in München die Grundkenntnisse der kPNI. Die 3 Jahre dauernde Grundausbildung zum kPNI Therapeuten beinhaltet nebst dem intensiven Heimstudium 10 Wochen Vorlesungen. Abschliessend kann der Bachelor of kPNI erworben werden. Seit November 2005 bietet die medizinische Fakultät der Universität von Girona/Spanien anschliessend an die Grundausbildung ein 2 Jahre dauerndes Mastersstudium an. Dieses wird von der EU anerkannt und ermöglicht, zum Doktor zu promovieren.

